Strophe N° 1: Ankunft West-Berlin: Beginn:
Geboren und ausgewachsen bin ich im Westen der gespaltenen
Stadt Berlin. So lernte ich früh, daß Paradoxie ein Normalzustand und
Absurdität alltägliche Gegenwart ist.
Kindheit und Jugend widmete ich den nonverbalen Künsten:
Mit sieben Jahren begann ich mit dem Klavierunterricht, den ich später bei
Prof. Gudrun Schmetzstorff (HdK) fortsetzte, und der klassischen Ballettausbildung
in der Berliner Tanzakademie Gsovsky. Klavierspiel und
tägliches Balletttraining wurden meine zuverlässigen Kindheitsbegleiter.
Mit 17 Jahren entschied ich, Schauspielerin zu werden. Etwas anderes
kam für mich nicht in Frage, schließlich wollte ich endlich herausfinden,
ob Sprache mehr kann, als nur Verwirrung anrichten.
Strophe N° 2: Abschied und Neubeginn:
Nach zweijährigem Engagement am Berliner Schillertheater zog ich
zunächst nach Bonn, um meine erste große Rolle, das „Gretchen“
im Faust zu spielen.
Vielfältige Rollen folgten in verschiedenen Städten und gaben mir die
Chance, das reiche Spektrum verschiedenartigster Paradoxien zu erkunden.
Das größte Geschenk meines Lebens wartete auf mich: Meine Tochter
wurde geboren. Nach acht lehrreichen Wanderjahren kehrte ich
mit ihr nach Berlin zurück.
Strophe N° 3: Abschied und Neubeginn:
Der Wind der unbegrenzten Möglichkeiten wehte durch die Stadt, die gerade ihre historische
Metamorphose der Wiedervereinigung durchmachte und ermutigte mich, zu vereinigen, was es zu vereinigen gab:
Musik mit Schauspiel, deutsch mit französisch, Tragik mit Komik, Improvisation mit Inszenierung, und heraus
kam mein erstes Chanson-Bühnenprogramm.
Und dann: Serge Gainsbourg! Das war Liebe auf den ersten Ton! Hier trafen musikalische Vielfalt und
poetisches Wortspiel in spannungsvollem Gegensatz aufeinander. Der Heldenmythos des großen Serge mit
samt seinen Eskapaden war in Deutschland spurlos an mir vorübergegangen. Für mich stand da dieses Werk
großartiger Chansons und forderte meine Phantasie heraus! Ziemlich unverfroren ging ich an die Arbeit und
fand in Andreas Schmidt den geeigneten Jazzpianisten, der sowohl puristisch, als auch verspielt genug war,
mit mir gemeinsam das Universum Gainsbourg zu ergründen.